Lectures
Ankündigung für das Wintersemester 2009/2010:
Vorlesung: Die Geschichte des europäischen Kolonialismus (1880-1960)
Zeit: Fr, 10-12
Ort:
Beginn: 30. Oktober 2009
Die Vorlesung zeichnet die Grundzüge der Geschichte der europäischen Expansion in Übersee und die Etablierung der Kolonialherrschaft der europäischen Mächte seit Mitte des 19. Jahrhunderts nach. Der Kolonialismus stellte ein komplexes globales Netz von transkontinentalen Herrschaftsbeziehungen dar. Dementsprechend werden zunächst die Ziele der europäischen Kolonialpolitik untersucht und die politischen, ökonomischen sowie kulturellen Rückwirkungen des Kolonialismus auf die europäischen Gesellschaften diskutiert. Von zentraler Bedeutung werden jedoch auch die Formen und Folgen europäischer Herrschaft in den Kolonien selbst sein (namentlich in Afrika und Asien). Die Vorlesung wird sich auf die Epoche des kolonialen „Imperialismus“ von 1880 bis 1940 konzentrieren und besonderes Augenmerk auf die westeuropäischen Kolonialmächten Großbritannien, Frankreich, Belgien sowie Deutschland und deren Imperien lenken. Schließlich wird auch die Dekolonisation behandelt, da diese eine wichtige Voraussetzung für den Prozess der Globalisierung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts darstellt.
Literatur:
- Reinhard Wendt, Vom Kolonialismus zur Globalisierung: Europa und die Welt seit 1500, Paderborn 2007;
- Wolfgang Reinhard, Kleine Geschichte des Kolonialismus, Stuttgart 1996;
- Rudolf von Albertini, Europäische Kolonialherrschaft 1880-1940, Stuttgart, 2. Auflage 1985;
- Denise Bouche, Histoire de la colonisation française, Bd. 2, Paris 1991;
- T.O. Lloyd, The British Empire 1558-1995, Oxford, 2. Auflage 1997.
Aufbaumodul Westeuropäische Geschichte :
Vorlesung: Die Geschichte des europäischen Kolonialismus (1880-1960) (Siehe oben)
Seminar:Der deutsche Kolonialismus (1884-1918)
(zugleich Fachmodul Neuere Geschichte I oder II)
Zeit: Do, 14-16 Uhr
Ort:
Beginn: 29. Oktober 2009
Das Seminar bietet eine Einführung in die Kolonialgeschichte des Deutschen Kaiserreichs. In diesem Zusammenhang werden die Kolonialagitation im Kaiserreich und der Aufbau des deutschen Kolonialreiches seit Anfang der 1880er Jahre diskutiert. Darüber hinaus sollen die Formen und Strukturen der deutsche Kolonialherrschaft in Übersee und ihre Auswirkungen auf die unterworfene Bevölkerung in den Blick genommen (Verwaltung, Ausbeutung, Rassismus, Kolonialkriege usw.). Eine besondere Aufmerksamkeit wird zudem der Rolle der Kirchen und der Kolonialmission für die Etablierung der Kolonialherrschaft geschenkt. Um die Besonderheiten des deutschen Kolonialismus herauszuarbeiten, wird sich das Seminar die Kolonialreiche Großbritanniens und Frankreichs vergleichend einbeziehen.
- Winfried Speitkamp, Deutsche Kolonialgeschichte, Stuttgart 2005
- Horst Gründer, Geschichte der deutschen Kolonien, Paderborn 2004
- Rudolf von Albertini, Europäische Kolonialherrschaft 1880-1940, Stuttgart, 2. Auflage 1985.
Hauptseminar: Die europäische Sozialhistorie im 20. Jahrhundert (Themen und Problemfelder einer modernen Historiografiegeschichte)
Zeit: Do 10-12 Uhr
Ort:
Beginn: 29. Oktober 2009
Das historiografiegeschichtliche Seminar bietet einen Überblick über die Entwicklung der Sozialhistorie, die sich mit dem sozialen Wandel, Schichten und Klassen oder auch mit den sozialen Grundlagen politischen Handelns befasst (hat). Die Sozialhistorie zählt zu den einflussreichsten Strömungen der Geschichtsschreibung Europas im 20. Jahrhundert und prägt das historische Denken der Gegenwart noch immer in hohem Maße. Im Seminar werden die wichtigsten sozialhistorischen Schulen und Richtungen seit 1900 behandelt. Im Zentrum steht jedoch die „klassische“ Sozialgeschichte, die in den 1960er und 1970er Jahren einen regelrechten Boom erlebte, namentlich die Schule der Annales in Frankreich, die Historische Sozialwissenschaft in Deutschland oder die marxistische Historiografie in Großbritannien. Im Seminar soll die Frage beantwortet werden, warum es gerade nach 1945 zum rasanten Aufstieg der Sozialhistorie im westlichen Europa gekommen ist. In diesem Zusammenhang geht es um Probleme der Wahl von Forschungsfeldern, des innovativen Methodenwechsels oder der Erzählweisen, aber auch um exemplarische Biografien und das Werk herausragender Historiker wie Braudel, Thompson oder Wehler. Von zentraler Bedeutung ist schließlich die Frage nach dem Zusammenhang von Geschichtsschreibung und Politik im 20. Jahrhundert. Wegen begrenzter Teilnehmerzahl ist eine persönliche Anmeldung unter der Email-Adresse thomas.kroll @ uni-jena.de erwünscht.
Literatur:
- Georg G. Iggers, Geschichtswissenschaft im 20. Jahrhundert. Ein kritischer Überblick im internationalen Zusammenhang, Göttingen 2007.
- ders./ Q. Edward Wang (Hg.), A Global History of Historiography, Edinburgh 2008.
- Peter Burke, New Perspectives on Historical Writing, Pennsylvania 2007.
- N. Hammerstein, Deutsche Geschichtswissenschaft um 1900, Wiesbaden 1988.
- André Burguière, L’École des Annales. Une histoire intellectuelle, Paris 2006.
- Richard J. Evans, Fakten und Fiktionen. Über die Grundlagen historischer Erkenntnis, Frankfurt a.M. 1998.
- Lutz Raphael, Geschichtswissenschaft im Zeitalter der Extreme, München 2003.
Übung:
Der Mittelmeerraum in der modernen Sozialgeschichtsschreibung: Fernand Braudels “La Mediterranée”
(Anrechenbar für: Ü Historiographie/ Methodik/ Quellenkunde)
Zeit: Fr 14-16 Uhr
Ort:
Beginn: 30. Oktober 2009
Fernand Braudel (1902-1985) gilt als einer der einflussreichsten französischen Historiker des 20. Jahrhunderts und als führender Kopf der Schule der Annales nach 1945. Sein Werk über den Mittelmeerraum in der Zeit Philipps II., das erstmals 1949 veröffentlicht wurde, zählt zu den Klassikern der europäischen Geschichtsschreibung und hat die Sozialhistorie der 1960er und 1970er Jahre in hohem Maße beeinflusst. Dies gilt namentlich für Braudels Konzeption historischer Zeiten und seine Vorstellung von Strukturen von „langer Dauer“ (longue durée). Jüngst hat das Mittelmeerbuch Braudels wieder vermehrt Aufmerksamkeit erhalten, weil die Betrachtung des Mittelmeerraums mit seinen zahlreichen, eng miteinander verflochtenen Kulturen vielfältige Anknüpfungspunkte für eine Geschichtsschreibung bietet, die an transnational-übergreifenden Kulturbeziehungen interessiert ist. In dieser Übung wird Braudels “Das Mittelmeer und die mediterrane Welt in der Epoche Philipp II” systematisch aufgearbeitet und diskutiert. Dabei werden auch historiographiegeschichtliche sowie methodische Fragen und die ideengeschichtliche Genese des Werkes eine Rolle spielen.
Literatur:
- Fernand Braudel, Das Mittelmeer und die mediterrane Welt in der Epoche Philipp II, Frankfurt a. M. 1990
- ders., Die Welt des Mittelmeers, Frankfurt a. M. 1993;
- André Burguière, L’école des Annales: une histoire intellectuelle, Paris 2006.
Zeitgeschichtliches Kolloquium
Zeit: Mi 18-20 Uhr
Ort: Fürstengraben 27, SR 101 (Rosensäle)
Beginn: Siehe aktuelle Ankündigung.
Das Zeitgeschichtliche Kolloquium wird von Prof. Dr. Norbert Frei, Prof. Dr. Volkhard Knigge, Prof. Dr. Thomas Kroll, Prof. Dr. Lutz Niethammer und Prof. Dr. Joachim von Puttkamer gemeinsam veranstaltet. Vorgestellt und diskutiert werden vor allem Forschungsentwürfe, laufende Untersuchungen und jüngst abgeschlossene Qualifikationsarbeiten zur Geschichte des 20. Jahrhunderts. Zur regelmäßigen Teilnahme eingeladen sind insbesondere die Doktoranden, Mitarbeiter und fortgeschrittenen Studierenden der Veranstalter. Willkommen sind alle Angehörigen des Historischen Instituts und der Universität.
- Brunello Mantelli, Kurze Geschichte des italienischen Faschismus, Berlin 1998;
- Christian Jansen, Italien seit 1945, Göttingen 2007
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Literatur:
- Brunello Mantelli, Kurze Geschichte des italienischen Faschismus, Berlin 1998
- Sven Reichardt u.a. (Hg.), Faschismus in Italien und Deutschland. Studien zu Transfer und Vergleich, Göttingen 2005
- Wolfgang Schieder, Faschistische Diktaturen. Studien zu Italien und Deutschland, Göttingen 2008
Hauptseminar: Geschichte der Arbeit im 19. und 20. Jahrhundert. Deutschland im westeuropäischen Vergleich
Zeit: Do 10-12 Uhr
Ort:
Beginn:Das Seminar widmet sich in einem historischen Längsschnitt dem Problem der Geschichte der „Arbeit“, die sich derzeit in vielen Weltregionen in einem Übergang von der industriellen zur postindustriellen Form befindet. So wird seit rund 20 Jahren über das Ende der „Arbeitsgesellschaft“ diskutiert. Thematisiert werden soll aber nicht nur der Rückgang der Industriearbeit seit den 1970er Jahren, der mit dem Aufkommen der Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft verbunden war, sondern auch die Entwicklung der Arbeit seit dem Beginn des 19. Jahrhundert, also die Arbeit im Handwerk, deren Formverwandlung durch die Industrialisierung, ferner das Aufkommen der Fabrikarbeit und schließlich die allmähliche Entfaltung von Massenproduktionsverfahren am Fließband. Ein weiterer Schwerpunkt wird auf der Untersuchung der Zwangsarbeit im Dritten Reich und in kommunistischen Diktaturen liegen. Überdies wird das Seminar nach sich wandelnden Formen der gesellschaftlichen Wahrnehmung von Arbeit fragen und überprüfen, warum und in welcher Weise Arbeit zur Grundlage von politischen Organisationsformen werden konnte (Arbeiterparteien, Gewerkschaften). Am Ende sollen schließlich globalgeschichtliche Aspekte von Arbeit diskutiert werden.
Literatur:- Josef Ehmer u.a. (Hg.), „Arbeit“: Geschichte – Gegenwart – Zukunft, Wien 2002
- Jürgen Kocka u.a. (Hg.), Geschichte und Zukunft der Arbeit, Frankfurt a.M. 2000
- Jan Lucassen (Hg.), Global Labour History, 2. Aufl., Bern 2008
- Gerhard A. Ritter/ Klaus Tenfelde, Arbeiter im Deutschen Kaiserreich 1871-1914, Bonn 1992
- Stefano Musso, Storia del lavoro in Italia dall’Unità a oggi, Venedig 2002
- Alain, Dewerpe, Histoire du travail, Paris 2001
- Richard Bienacki, The Fabrication of Labor. Germany and Britain, 1640-1914, Berkeley 1995
Basismodul Frühe Neuzeit/ Seminar:
England im 18. Jahrhundert. Politik, Gesellschaft, KulturZeit: Fr 14-16 Uhr
Ort: HI, SR
Beginn:Das Seminar diskutiert zentrale Aspekte der Geschichte Großbritanniens im 18. Jahrhundert und bietet auf diesem Wege eine Einführung in die fundamentalen Methoden und Arbeitstechniken der Geschichtswissenschaften. Im Mittelpunkt stehen der Kolonialismus und die Entwicklung des britischen Empire, Fragen des gesellschaftlichen und kulturellen Wandels (Klassen und Lebensstile), Probleme des politischen System (Monarchie und Parlamentarismus), die Anfänge der Industrialisierung und das Aufkommen radikaler Protestbewegungen.
Literatur:
- Peter Wende, Das britische Empire. Geschichte eines Weltreiches, München 2008
- Michael Maurer, Kleine Geschichte Großbritanniens, Bonn 2005
- Heiner Haan/ Gottfried Niethart, Geschichte Englands vom 16. bis zum 18. Jahrhundert, München 1993
- Roy Porter, English Society in the Eighteenth Century, London 1990
Zeitgeschichtliches KolloquiumZeit: Mi 18-20 Uhr
Ort: Fürstengraben 27, SR 101 (Rosensäle)
Beginn: Siehe aktuelle Ankündigung.Das Zeitgeschichtliche Kolloquium wird von Prof. Dr. Rainer Gries, Prof. Dr. Volkhard Knigge, Prof. Dr. Thomas Kroll, Prof. Dr. Lutz Niethammer und Prof. Dr. Joachim von Puttkamer gemeinsam veranstaltet. Vorgestellt und diskutiert werden vor allem Forschungsentwürfe, laufende Untersuchungen und jüngst abgeschlossene Qualifikationsarbeiten zur Geschichte des 20. Jahrhunderts. Zur regelmäßigen Teilnahme eingeladen und aufgefordert sind insbesondere die Doktoranden, Mitarbeiter und fortgeschrittenen Studierenden der Veranstalter. Willkommen sind alle Angehörigen des Historischen Instituts und der Universität.
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Wintersemester 2008/2009:
Vorlesung: Geschichte Italiens 1770-1922
Zeit: Fr 10-12 Uhr
Ort: UHG, HS 144
Beginn:Ausgehend vom aufgeklärten Absolutismus des 18. Jahrhunderts zeichnet die Vorlesung die Geschichte Italiens im langen 19. Jahrhundert nach. In diesem Rahmen werden das italienische Risorgimento, der Prozess der Nationalstaatsbildung von 1861, die Geschichte des liberalen Königreichs Italien bis 1914, die italienische Gesellschaft im Ersten Weltkrieg und schließlich die Ursachen des Aufstiegs des Faschismus in der Nachkriegszeit behandelt. Dabei sollen zentrale Wandlungsprozesse in Politik und Verfassungsordnung thematisiert, die wichtigsten Tendenzen in der Kulturentwicklung präsentiert und die Grundzüge einer Sozialgeschichte der Appenninhalbinsel dargestellt werden.
Literatur:
- Altgeld, Wolfgang (Hg.), Kleine italienische Geschichte, Stuttgart 2002;
- Lill, Rudolf, Geschichte Italiens in der Neuzeit, 4. Auflage, Darmstadt 1988;
- Procacci, Giuliano, Geschichte Italiens und der Italienier, München 1983;
- Banti, Alberto Mario, Il Risorgimento italiano, Bari 2007;
- Pécout, Gilles, La naissance de l’Italie contemporaine, Paris 2007.
Aufbaumodul Westeuropäische Geschichte :
Vorlesung: Geschichte Italiens 1770-1922 (Siehe oben)
Seminar: Nationale Bewegung und Nationalstaatsbildung in Italien und Deutschland 1800-1871(zugleich Fachmodul Neuere Geschichte I oder II)
Zeit: Do, 14-16 Uhr
Ort: UHG, SR 259
Beginn:Das Seminar bietet anhand der Geschichte der nationalen Bewegungen und Nationalstaatsgründungen in Italien und Deutschland eine Einführung in die grundlegenden Fragestellungen der westeuropäischen Geschichte. Ferner sollen die Teilnehmer mit den Methoden der vergleichenden Geschichtsschreibung vertraut gemacht werden. So werden die nationalen Ideologien, die gesellschaftlichen Trägerschichten und die Protagonisten der nationalen Bewegungen Italiens und Deutschlands gleichermaßen in den Blick genommen. Beispielsweise wird nach der jeweiligen Rolle des Liberalismus oder der demokratischen Bewegungen in den beiden Ländern zu fragen sein. Überdies werden die politischen Organisationen, Strukturen, Entscheidungsprozesse und internationalen Konstellationen verglichen, die in Italien (1861) und in Deutschland (1871) die Bildung eines Nationalstaats ermöglichten. Dementsprechend wird etwa zu klären sein, warum in Italien ein demokratischer „Volksheld“ wie Giuseppe Garibaldi und seine Bewegung eine zentrale Rolle in der nationalen Bewegung spielen konnten, während die Nationalstaatsgründung in Deutschland weitaus mehr von „oben“ und unter Ägide des „eisernen Kanzlers“ Bismarcks erfolgte.
Literatur:
- Siemann, Wolfram, Vom Staatenbund zum Nationalstaat: Deutschland 1806-1871, München 1995;
- Gellert, Mark, Die „Società Nazionale Italiana“ und der „Deutsche Nationalverein“. Ein Vergleich der Organisationen und ihrer Rolle in nationaler Bewegung und Einigung, Aachen 1999;
- Lill, Rudolf, Geschichte Italiens in der Neuzeit, Darmstadt 41988;
- Daniel Ziblatt, The Formation of Italy and Germany and the Puzzle of Federalism, Princeton 2006.
Hauptseminar: Der Adel in der modernen Gesellschaft 1800-1945. Deutschland im westeuropäischen Vergleich
Zeit: Do 10-12 Uhr
Ort: UHG, SR 259
Beginn:Der Adel hat im 19. und 20. Jahrhundert einen tiefgreifenden politischen, sozialen sowie wirtschaftlichen Transformationsprozess durchlaufen. Obgleich der Adel bereits im 19. Jahrhundert einen großen Teil seiner Herrschaftsrechte und seines Reichtums verlor, gelang es ihm, durch vielfältige Strategien der Anpassung bis weit in das 20. Jahrhundert hinein ein durchaus bedeutender Teil der politischen und gesellschaftlichen Eliten zu bleiben. Das Seminar wird diesen Wandlungsprozess untersuchen und dazu das Verhältnis des Adels zur Politik und seine Stellung in Militär, Verwaltung und Diplomatie analysieren. Ferner werden sozialgeschichtliche Fragestellungen im engeren Sinne aufgegriffen und das adlige Heiratsverhalten, Familienstrategien sowie Bildungswege in den Blick genommen. Schließlich gilt es den Wandel der Adelskultur, des gesellschaftlichen Selbstverständnisses und die adligen Repräsentationsstrategien zu thematisieren. Im Mittelpunkt des Seminars steht der deutsche Adel von 1800 bis zur Epoche des Nationalsozialismus, doch soll die Einbeziehung von Adelsgruppen in Großbritannien, Frankreich und Italien vergleichende Perspektiven eröffnen.
Hinweis: Eine persönliche Anmeldung per Email ist erwünscht.
Literatur:- Heinz Reif, Adel im 19. und 20. Jahrhundert, München 1999;
- ders., Monika Wienfort, Der Adel in der Moderne, Göttingen 2006;
- ders., Das Gesicht des 21. Jahrhunderts. Ein Gespräch mit Antonio Polito, München 2002;
- Eckart Conze/ Monika Wienfort (Hg.), Adel und Moderne, Köln 2004.
Übung: Die Schule der „Annales“. Französische Geschichtsschreibung im 20. Jahrhundert
(Historiographie/ Methodik/ Quellenkunde)Zeit: Fr 14-16 Uhr
Ort: HI, SR
Beginn:Die Schule der „Annales“ hat der Geschichtsschreibung des 20. Jahrhunderts vielfältige Impulse vermittelt. Zu ihren bekanntesten Vertretern gehören beispielsweise Lucien Fevbre, Marc Bloch, Fernand Braudel oder auch Jacques Le Goff und Emmanuel Le Roy Ladurie, die mit ihren innovativen Studien das historische Denken der westlichen Welt seit den 1930er Jahren grundlegend verändert haben. Weniger als Ereignisse und die Politik interessierten die Historiker der Annale-Schule – dies gilt etwa etwa schon für Braudel und seine berühmte Studie zur Welt des Mittelmeers – die quantitativ erfassbaren „Strukturen“ von langer Dauer in Gesellschaft und Wirtschaft. Nach dem Zweiten Weltkrieg differenzierte sich die Schule der „Annales“ weiter aus, entwickelte die Methoden einer seriellen Geschichtswissenschaft und suchte nach Möglichkeiten einer Kooperation mit der Ethnologie. Im Rahmen der Übung sollen programmatische Schlüsseltexte der Schule der „Annales“ und einige Hauptwerke (in Auszügen und deutscher Übersetzung) gelesen und diskutiert werden. Dabei gilt es nicht zuletzt zu überprüfen, ob die Schule der „Annales“ noch heute Anknüpfungspunkte für eine moderne Sozialgeschichte bietet.
Literatur:
- Peter Burke, Offene Geschichte. Die Schule der „Annales“, Berlin 1991;
- Lutz Raphael, Die Erben von Bloch und Febvre, Stuttgart 1994;
- C. Delacroix u.a., Les courants historiques en France, Paris 2005;
- Ulrich Raulff, Ein Historiker im 20. Jahrhundert: Marc Bloch, Frankfurt a.M. 1995.
Zeitgeschichtliches KolloquiumZeit: Mi 18-20 Uhr
Ort: Fürstengraben 27, SR 101 (Rosensäle)
Beginn: Siehe aktuelle Ankündigung.Das Zeitgeschichtliche Kolloquium wird von Prof. Dr. Rainer Gries, Prof. Dr. Volkhard Knigge, Prof. Dr. Thomas Kroll, Prof. Dr. Lutz Niethammer und Prof. Dr. Joachim von Puttkamer gemeinsam veranstaltet. Vorgestellt und diskutiert werden vor allem Forschungsentwürfe, laufende Untersuchungen und jüngst abgeschlossene Qualifikationsarbeiten zur Geschichte des 20. Jahrhunderts. Zur regelmäßigen Teilnahme eingeladen und aufgefordert sind insbesondere die Doktoranden, Mitarbeiter und fortgeschrittenen Studierenden der Veranstalter. Willkommen sind alle Angehörigen des Historischen Instituts und der Universität.
- George Iggers, Geschichtswissenschaft im 20. Jahrhundert, Göttingen 1993;
- Lutz Raphael, Geschichtswissenschaft im Zeitalter der Extreme. Theorie, Methoden und Tendenzen von 1900 bis zur Gegenwart, München 2003;
- Friedrich Jaeger/ Jörn Rüsen, Geschichte des Historismus. Eine Einführung, München 1992;
- Richard J. Evans, Fakten und Fiktionen. Über Grundlagen historischer Erkenntnis, Frankfurt am Main 1998;
- Wolfgang Hardtwig (Hg.), Über das Studium der Geschichte, München 1990.
- François Furet, 1789, vom Ereignis zum Gegenstand der Geschichtswissenschaft, Frankfurt a Main 1980;
- Erich Pelzer (Hg.), Revolution und Klio. Die Hauptwerke zur Französischen Revolution, Göttingen 2004;
- Eric J. Hobsbawm, Echoes of the Marseillaise: Two Centuries Look Back on the French Revolution, New Brunswick 1990;
- Gudrun Gersmann/ Hubertus Kohle (Hg.), Frankreich 1871-1914. Die Dritte Republik und die Französische Revolution, Stuttgart 2002.
- Eric J. Hobsbawm, Gefährliche Zeiten. Ein Leben im 20. Jahrhundert, München 2003;
- ders., Das Zeitalter der Extreme. Eine Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts, München 2004;
- ders., Das Gesicht des 21. Jahrhunderts. Ein Gespräch mit Antonio Polito, München 2002;
- ders., Wieviel Geschichte braucht die Zukunft, München 1998;
- Dennis L. Dworkin, Cultural Marxim in Postwar Britain, Durham 1997;
- Perry Anderson, The Age of EJH, London Review of Books, 3.10.2002.
- Alfred Georg Frei, Rotes Wien: Austromarxismus und Arbeiterkultur, Wien 1984;
- Anson Rabinbach, Vom Roten Wien zum Bürgerkrieg, Wien 1989;
- Ernst Hanisch, Der lange Schatten des Staates: österreichische Gesellschaftsgeschichte im 20. Jahrhundert, Wien 1994;
- Helmut Gruber, Red Vienna. Experiment in Working-Class Culture, 1919-1934, New York 1991;
- Weihsmann, Helmut: Das rote Wien: Sozialdemokratische Architektur und Kommunlapolitik 1919-1934, Wien 2002;
- Judith Beniston/ Robert Villain, Culture and Politics in Red Vienna, Leeds 2006.
Sommersemester 2008:
Vorlesung: Geschichte der Geschichtswissenschaft im modernen Europa (18. bis 20. Jahrhundert)
Zeit: Fr 10-12 Uhr
Ort: UHG, HS 144
Beginn: 18.04.2008Der wissenschaftliche Umgang mit der Historie hat seine eigene Geschichte, die für das Selbstverständnis der modernen Geschichtswissenschaft und deren spezifischen Perspektiven sowie Methoden von zentraler Bedeutung ist. Die Vorlesung zeichnet die Grundlinien der Entwicklung der Geschichtswissenschaft seit Mitte des 18. Jahrhunderts nach und widmet sich vor allem den folgenden Fragen: Wie hat sich in Europa die Wissenschaft von der Geschichte im 18. und 19. Jahrhundert etabliert? Was hat man unter Geschichte verstanden und welche Methoden wurden in den letzten beiden Jahrhunderten entwickelt, um sich wissenschaftlich mit der Historie zu befassen? Wie gestaltete sich das Verhältnis der Historie zur Politik? Welche Geschichtstheorien und historischen Schulen bestimmten den Blick auf die Geschichte (vom Historismus über die Sozialgeschichte zur Kulturgeschichte)? Welche Tendenzen und Ansätze lassen sich heute ausmachen? Die Vorlesung richtet sich sowohl an Studierende im Grundstudium als auch an höhere Semester, die sich mit den historischen und methodischen Grundlagen der Geschichtswissenschaft auseinandersetzen wollen.
Literatur:
Aufbaumodul Westeuropäische Geschichte :
Vorlesung: Geschichte der Geschichtswissenschaft im modernen Europa (18. bis 20. Jahrhundert) (Siehe oben)
Seminar: Die Französische Revolution von 1789 in der Geschichtsschreibung und Erinnerungskultur des 19. und 20. Jahrhunderts
(zugleich Fachmodul Neuere Geschichte I oder II)
Zeit: Fr 14-16 Uhr
Ort: HI, SR
Beginn: 18.04.2008Die Französische Revolution von 1789 zählt zu den zentralen politischen Ereignissen der Geschichte Westeuropas und hat sowohl in der Geschichtsschreibung als auch in der Politik immer wieder heftige Kontroversen ausgelöst. Anhand von exemplarischen Geschichtsdarstellungen wird das Seminar erkunden, wie sich die historiographischen Formen der Darstellung der Revolution und deren politische Bewertung im 19. und 20. Jahrhundert verändert haben. Dazu werden vor allem Texte von Historikern aus Frankreich und Deutschland herangezogen (etwa de Tocqueville, Michelet, Taine oder Furet). Ferner soll untersucht werden, in welcher Weise das Ereignis in das öffentliche Gedächtnis Frankreichs eingegangen ist und sich dessen politische Bedeutung im Laufe der Zeit gewandelt hat. Ein besonderes Augenmerk wird in diesem Zusammenhang der Zweihundertjahrfeier der Revolution in Frankreich gelten. Französische Sprachkenntnisse sind hilfreich, aber keine Teilnahmebedingung.
Literatur:
Hauptseminar: Eric J. Hobsbawm. Ein britischer Historiker im Zeitalter der Extreme
Zeit: Do 10-12 Uhr
Ort: HI, SR
Beginn: 17.04.2008Der britische Sozialhistoriker Eric J. Hobsbawm (Jahrgang 1917) zählt zu den herausragenden Vertretern der westeuropäischen Geschichtswissenschaft des 20. Jahrhunderts. Im Rahmen der Veranstaltung soll das historiographische Werk Hobsbawms anhand ausgewählter Beispiele in den Blick genommen werden, etwa die Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung, des Nationalismus und des Jazz, seine Geschichte des 20. Jahrhunderts oder auch die Interventionen in die Theoriedebatte der Sozialgeschichte usw. Ferner wird die Beschäftigung mit dem politischen Engagement Hobsbawms einen Schwerpunkt des Seminars bilden, da er über Jahrzehnte als Linksintellektueller aktiv an den politischen Debatten seines Landes teilgenommen hat. So kann exemplarisch die Wechselwirkung von Geschichtswissenschaft und Politik in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts herausgearbeitet werden.
Hinweis: Eine persönliche Anmeldung per Email ist erwünscht.
Literatur:
Übung: Städtische Politik und Arbeiterkultur in den 1920er und 1930er Jahren. Wien im westeuropäischen Vergleich
(Historiographie/ Methodik/ Quellenkunde/ Geschichte und Öffentlichkeit)Zeit: Do 14-16 Uhr
Ort: CZ 3, SR 315
Beginn: 17.04.2006Das Wien der Ersten Österreichischen Republik (1918-1938) galt vielen westeuropäischen Zeitgenossen als moderne Stadt mit einer vorbildhaften kommunalen Sozialpolitik. Der von den Sozialdemokraten dominierte Wiener Gemeinderat setzte besonders im Bereich des sozialen Wohnungsbaus innovative Akzente. Darüber hinaus entwickelte sich in Wien eine neue Form der Arbeiterkultur, welche die Grenzen des sozialen Milieus der Arbeiterschaft sprengte und von zahlreichen austromarxistischen Intellektuellen unterstützt wurde. So verwandelte sich Wien zu einem politischen und kulturellen Experimentierfeld. Erst die Mobilisierung des Austrofaschismus und der Bürgerkrieg von 1934 bereiteten dem Experiment ein Ende. In der Übung werden zentrale Problemfelder der Geschichte Wiens in den 1920er und 1930er Jahren diskutiert. Unter ausgewählten Gesichtspunkten werden Vergleiche zum Verhältnis von städtischer Politik und Arbeiterkultur in Berlin, Paris und London angestellt.
Literatur:
Zeitgeschichtliches KolloquiumZeit: Mi 18-20 Uhr
Ort: Fürstengraben 27, SR 101 (Rosensäle)
Beginn: Siehe aktuelle Ankündigung.Das Zeitgeschichtliche Kolloquium wird von Prof. Dr. Norbert Frei, Prof. Dr. Volkhard Knigge, Prof. Dr. Thomas Kroll, Prof. Dr. Lutz Niethammer und Prof. Dr. Joachim von Puttkamer gemeinsam veranstaltet. Vorgestellt und diskutiert werden vor allem Forschungsentwürfe, laufende Untersuchungen und jüngst abgeschlossene Qualifikationsarbeiten zur Geschichte des 20. Jahrhunderts. Zur regelmäßigen Teilnahme eingeladen und aufgefordert sind insbesondere die Doktoranden, Mitarbeiter und fortgeschrittenen Studierenden der Veranstalter. Willkommen sind alle Angehörigen des Historischen Instituts und der Universität.
Sommersemester 2009:
Vorlesung: Von Mussolini bis Berlusconi. Italien im 20. Jahrhundert
Zeit: Fr 10-12 Uhr
Ort: UHG, HS 144
Beginn:
Die Vorlesung bietet einen Überblick über die Politik-, Sozial- und Ideengeschichte Italiens seit dem Ende des Ersten Weltkriegs. In einem ersten Teil wird die Vorlesung das faschistische Italien unter Mussolini (1922-1945) behandeln, ferner die Etappen der Entwicklung der Italienischen Republik seit 1945 nachvollziehen (Italien im Kalten Krieg, das italienische Wirtschaftswunder, die Revolte von 1968, den Terrorismus sowie die Krise der 1970/80er Jahre) und schließlich auch die Wandlungsprozesse der jüngsten Zeitgeschichte sowie die Regierungen unter Berlusconi seit den 1990er Jahren in den Blick nehmen.
Literatur:
Aufbaumodul Westeuropäische Geschichte :
Vorlesung: Von Mussolini bis Berlusconi. Italien im 20. Jahrhundert (Siehe oben)
Seminar:Faschismus in Italien und Deutschland (1922-1945)
(zugleich Fachmodul Neuere Geschichte I oder II)
Zeit: Do, 14-16 Uhr
Ort: wird noch bekannt gegeben
Beginn:
Das Seminar wird zentrale Aspekte der Entwicklung der faschistischen Bewegung und des Herrschaftssystem unter Mussolini in Italien untersuchen und Deutschland in vergleichender Perspektive einbeziehen. Ferner steht die Frage der Wechselbeziehungen und gegenseitigen Beeinflussungen der faschistischen Bewegungen in Italien und Deutschland im Zentrum der Veranstaltung. Schließlich dient das Seminar auch der vertieften Einübung der fundamentalen Methoden und Arbeitstechniken der Geschichtswissenschaften.