Lectures

Ankündigung für das Wintersemester 2008/2009:

Vorlesung: Geschichte Italiens 1770-1922

Zeit: Fr 10-12 Uhr
Ort: UHG, HS 144
Beginn:

Ausgehend vom aufgeklärten Absolutismus des 18. Jahrhunderts zeichnet die Vorlesung die Geschichte Italiens im langen 19. Jahrhundert nach. In diesem Rahmen werden das italienische Risorgimento, der Prozess der Nationalstaatsbildung von 1861, die Geschichte des liberalen Königreichs Italien bis 1914, die italienische Gesellschaft im Ersten Weltkrieg und schließlich die Ursachen des Aufstiegs des Faschismus in der Nachkriegszeit behandelt. Dabei sollen zentrale Wandlungsprozesse in Politik und Verfassungsordnung thematisiert, die wichtigsten Tendenzen in der Kulturentwicklung präsentiert und die Grundzüge einer Sozialgeschichte der Appenninhalbinsel dargestellt werden.

Literatur:

  • Altgeld, Wolfgang (Hg.), Kleine italienische Geschichte, Stuttgart 2002;
  • Lill, Rudolf, Geschichte Italiens in der Neuzeit, 4. Auflage, Darmstadt 1988;
  • Procacci, Giuliano, Geschichte Italiens und der Italienier, München 1983;
  • Banti, Alberto Mario, Il Risorgimento italiano, Bari 2007;
  • Pécout, Gilles, La naissance de l’Italie contemporaine, Paris 2007.



Aufbaumodul Westeuropäische Geschichte :

Vorlesung: Geschichte Italiens 1770-1922 (Siehe oben)


Seminar: Nationale Bewegung und Nationalstaatsbildung in Italien und Deutschland 1800-1871

(zugleich Fachmodul Neuere Geschichte I oder II)

Zeit: Do, 14-16 Uhr
Ort: UHG, SR 259
Beginn:

Das Seminar bietet anhand der Geschichte der nationalen Bewegungen und Nationalstaatsgründungen in Italien und Deutschland eine Einführung in die grundlegenden Fragestellungen der westeuropäischen Geschichte. Ferner sollen die Teilnehmer mit den Methoden der vergleichenden Geschichtsschreibung vertraut gemacht werden. So werden die nationalen Ideologien, die gesellschaftlichen Trägerschichten und die Protagonisten der nationalen Bewegungen Italiens und Deutschlands gleichermaßen in den Blick genommen. Beispielsweise wird nach der jeweiligen Rolle des Liberalismus oder der demokratischen Bewegungen in den beiden Ländern zu fragen sein. Überdies werden die politischen Organisationen, Strukturen, Entscheidungsprozesse und internationalen Konstellationen verglichen, die in Italien (1861) und in Deutschland (1871) die Bildung eines Nationalstaats ermöglichten. Dementsprechend wird etwa zu klären sein, warum in Italien ein demokratischer „Volksheld“ wie Giuseppe Garibaldi und seine Bewegung eine zentrale Rolle in der nationalen Bewegung spielen konnten, während die Nationalstaatsgründung in Deutschland weitaus mehr von „oben“ und unter Ägide des „eisernen Kanzlers“ Bismarcks erfolgte.

Literatur:

  • Siemann, Wolfram, Vom Staatenbund zum Nationalstaat: Deutschland 1806-1871, München 1995;
  • Gellert, Mark, Die „Società Nazionale Italiana“ und der „Deutsche Nationalverein“. Ein Vergleich der Organisationen und ihrer Rolle in nationaler Bewegung und Einigung, Aachen 1999;
  • Lill, Rudolf, Geschichte Italiens in der Neuzeit, Darmstadt 41988;
  • Daniel Ziblatt, The Formation of Italy and Germany and the Puzzle of Federalism, Princeton 2006.



Hauptseminar: Der Adel in der modernen Gesellschaft 1800-1945. Deutschland im westeuropäischen Vergleich

Zeit: Do 10-12 Uhr
Ort: UHG, SR 259
Beginn:

Der Adel hat im 19. und 20. Jahrhundert einen tiefgreifenden politischen, sozialen sowie wirtschaftlichen Transformationsprozess durchlaufen. Obgleich der Adel bereits im 19. Jahrhundert einen großen Teil seiner Herrschaftsrechte und seines Reichtums verlor, gelang es ihm, durch vielfältige Strategien der Anpassung bis weit in das 20. Jahrhundert hinein ein durchaus bedeutender Teil der politischen und gesellschaftlichen Eliten zu bleiben. Das Seminar wird diesen Wandlungsprozess untersuchen und dazu das Verhältnis des Adels zur Politik und seine Stellung in Militär, Verwaltung und Diplomatie analysieren. Ferner werden sozialgeschichtliche Fragestellungen im engeren Sinne aufgegriffen und das adlige Heiratsverhalten, Familienstrategien sowie Bildungswege in den Blick genommen. Schließlich gilt es den Wandel der Adelskultur, des gesellschaftlichen Selbstverständnisses und die adligen Repräsentationsstrategien zu thematisieren. Im Mittelpunkt des Seminars steht der deutsche Adel von 1800 bis zur Epoche des Nationalsozialismus, doch soll die Einbeziehung von Adelsgruppen in Großbritannien, Frankreich und Italien vergleichende Perspektiven eröffnen.

Hinweis: Eine persönliche Anmeldung per Email ist erwünscht.


Literatur:

  • Heinz Reif, Adel im 19. und 20. Jahrhundert, München 1999;
  • ders., Monika Wienfort, Der Adel in der Moderne, Göttingen 2006;
  • ders., Das Gesicht des 21. Jahrhunderts. Ein Gespräch mit Antonio Polito, München 2002;
  • Eckart Conze/ Monika Wienfort (Hg.), Adel und Moderne, Köln 2004.



Übung: Die Schule der „Annales“. Französische Geschichtsschreibung im 20. Jahrhundert
(Historiographie/ Methodik/ Quellenkunde)

Zeit: Fr 14-16 Uhr
Ort: HI, SR
Beginn:

Die Schule der „Annales“ hat der Geschichtsschreibung des 20. Jahrhunderts vielfältige Impulse vermittelt. Zu ihren bekanntesten Vertretern gehören beispielsweise Lucien Fevbre, Marc Bloch, Fernand Braudel oder auch Jacques Le Goff und Emmanuel Le Roy Ladurie, die mit ihren innovativen Studien das historische Denken der westlichen Welt seit den 1930er Jahren grundlegend verändert haben. Weniger als Ereignisse und die Politik interessierten die Historiker der Annale-Schule – dies gilt etwa etwa schon für Braudel und seine berühmte Studie zur Welt des Mittelmeers – die quantitativ erfassbaren „Strukturen“ von langer Dauer in Gesellschaft und Wirtschaft. Nach dem Zweiten Weltkrieg differenzierte sich die Schule der „Annales“ weiter aus, entwickelte die Methoden einer seriellen Geschichtswissenschaft und suchte nach Möglichkeiten einer Kooperation mit der Ethnologie. Im Rahmen der Übung sollen programmatische Schlüsseltexte der Schule der „Annales“ und einige Hauptwerke (in Auszügen und deutscher Übersetzung) gelesen und diskutiert werden. Dabei gilt es nicht zuletzt zu überprüfen, ob die Schule der „Annales“ noch heute Anknüpfungspunkte für eine moderne Sozialgeschichte bietet.

Literatur:

  • Peter Burke, Offene Geschichte. Die Schule der „Annales“, Berlin 1991;
  • Lutz Raphael, Die Erben von Bloch und Febvre, Stuttgart 1994;
  • C. Delacroix u.a., Les courants historiques en France, Paris 2005;
  • Ulrich Raulff, Ein Historiker im 20. Jahrhundert: Marc Bloch, Frankfurt a.M. 1995.



Zeitgeschichtliches Kolloquium

Zeit: Mi 18-20 Uhr
Ort: Fürstengraben 27, SR 101 (Rosensäle)
Beginn: Siehe aktuelle Ankündigung.

Das Zeitgeschichtliche Kolloquium wird von Prof. Dr. Rainer Gries, Prof. Dr. Volkhard Knigge, Prof. Dr. Thomas Kroll, Prof. Dr. Lutz Niethammer und Prof. Dr. Joachim von Puttkamer gemeinsam veranstaltet. Vorgestellt und diskutiert werden vor allem Forschungsentwürfe, laufende Untersuchungen und jüngst abgeschlossene Qualifikationsarbeiten zur Geschichte des 20. Jahrhunderts. Zur regelmäßigen Teilnahme eingeladen und aufgefordert sind insbesondere die Doktoranden, Mitarbeiter und fortgeschrittenen Studierenden der Veranstalter. Willkommen sind alle Angehörigen des Historischen Instituts und der Universität.


    Sommersemester 2008:

    Vorlesung: Geschichte der Geschichtswissenschaft im modernen Europa (18. bis 20. Jahrhundert)

    Zeit: Fr 10-12 Uhr
    Ort: UHG, HS 144
    Beginn: 18.04.2008

    Der wissenschaftliche Umgang mit der Historie hat seine eigene Geschichte, die für das Selbstverständnis der modernen Geschichtswissenschaft und deren spezifischen Perspektiven sowie Methoden von zentraler Bedeutung ist. Die Vorlesung zeichnet die Grundlinien der Entwicklung der Geschichtswissenschaft seit Mitte des 18. Jahrhunderts nach und widmet sich vor allem den folgenden Fragen: Wie hat sich in Europa die Wissenschaft von der Geschichte im 18. und 19. Jahrhundert etabliert? Was hat man unter Geschichte verstanden und welche Methoden wurden in den letzten beiden Jahrhunderten entwickelt, um sich wissenschaftlich mit der Historie zu befassen? Wie gestaltete sich das Verhältnis der Historie zur Politik? Welche Geschichtstheorien und historischen Schulen bestimmten den Blick auf die Geschichte (vom Historismus über die Sozialgeschichte zur Kulturgeschichte)? Welche Tendenzen und Ansätze lassen sich heute ausmachen? Die Vorlesung richtet sich sowohl an Studierende im Grundstudium als auch an höhere Semester, die sich mit den historischen und methodischen Grundlagen der Geschichtswissenschaft auseinandersetzen wollen.

    Literatur:

    • George Iggers, Geschichtswissenschaft im 20. Jahrhundert, Göttingen 1993;
    • Lutz Raphael, Geschichtswissenschaft im Zeitalter der Extreme. Theorie, Methoden und Tendenzen von 1900 bis zur Gegenwart, München 2003;
    • Friedrich Jaeger/ Jörn Rüsen, Geschichte des Historismus. Eine Einführung, München 1992;
    • Richard J. Evans, Fakten und Fiktionen. Über Grundlagen historischer Erkenntnis, Frankfurt am Main 1998;
    • Wolfgang Hardtwig (Hg.), Über das Studium der Geschichte, München 1990.



    Aufbaumodul Westeuropäische Geschichte :

    Vorlesung: Geschichte der Geschichtswissenschaft im modernen Europa (18. bis 20. Jahrhundert) (Siehe oben)


    Seminar: Die Französische Revolution von 1789 in der Geschichtsschreibung und Erinnerungskultur des 19. und 20. Jahrhunderts
    (zugleich Fachmodul Neuere Geschichte I oder II)

    Zeit: Fr 14-16 Uhr
    Ort: HI, SR
    Beginn: 18.04.2008

    Die Französische Revolution von 1789 zählt zu den zentralen politischen Ereignissen der Geschichte Westeuropas und hat sowohl in der Geschichtsschreibung als auch in der Politik immer wieder heftige Kontroversen ausgelöst. Anhand von exemplarischen Geschichtsdarstellungen wird das Seminar erkunden, wie sich die historiographischen Formen der Darstellung der Revolution und deren politische Bewertung im 19. und 20. Jahrhundert verändert haben. Dazu werden vor allem Texte von Historikern aus Frankreich und Deutschland herangezogen (etwa de Tocqueville, Michelet, Taine oder Furet). Ferner soll untersucht werden, in welcher Weise das Ereignis in das öffentliche Gedächtnis Frankreichs eingegangen ist und sich dessen politische Bedeutung im Laufe der Zeit gewandelt hat. Ein besonderes Augenmerk wird in diesem Zusammenhang der Zweihundertjahrfeier der Revolution in Frankreich gelten. Französische Sprachkenntnisse sind hilfreich, aber keine Teilnahmebedingung.

    Literatur:

    • François Furet, 1789, vom Ereignis zum Gegenstand der Geschichtswissenschaft, Frankfurt a Main 1980;
    • Erich Pelzer (Hg.), Revolution und Klio. Die Hauptwerke zur Französischen Revolution, Göttingen 2004;
    • Eric J. Hobsbawm, Echoes of the Marseillaise: Two Centuries Look Back on the French Revolution, New Brunswick 1990;
    • Gudrun Gersmann/ Hubertus Kohle (Hg.), Frankreich 1871-1914. Die Dritte Republik und die Französische Revolution, Stuttgart 2002.



    Hauptseminar: Eric J. Hobsbawm. Ein britischer Historiker im Zeitalter der Extreme

    Zeit: Do 10-12 Uhr
    Ort: HI, SR
    Beginn: 17.04.2008

    Der britische Sozialhistoriker Eric J. Hobsbawm (Jahrgang 1917) zählt zu den herausragenden Vertretern der westeuropäischen Geschichtswissenschaft des 20. Jahrhunderts. Im Rahmen der Veranstaltung soll das historiographische Werk Hobsbawms anhand ausgewählter Beispiele in den Blick genommen werden, etwa die Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung, des Nationalismus und des Jazz, seine Geschichte des 20. Jahrhunderts oder auch die Interventionen in die Theoriedebatte der Sozialgeschichte usw. Ferner wird die Beschäftigung mit dem politischen Engagement Hobsbawms einen Schwerpunkt des Seminars bilden, da er über Jahrzehnte als Linksintellektueller aktiv an den politischen Debatten seines Landes teilgenommen hat. So kann exemplarisch die Wechselwirkung von Geschichtswissenschaft und Politik in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts herausgearbeitet werden.

    Hinweis: Eine persönliche Anmeldung per Email ist erwünscht.

    Literatur:

    • Eric J. Hobsbawm, Gefährliche Zeiten. Ein Leben im 20. Jahrhundert, München 2003;
    • ders., Das Zeitalter der Extreme. Eine Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts, München 2004;
    • ders., Das Gesicht des 21. Jahrhunderts. Ein Gespräch mit Antonio Polito, München 2002;
    • ders., Wieviel Geschichte braucht die Zukunft, München 1998;
    • Dennis L. Dworkin, Cultural Marxim in Postwar Britain, Durham 1997;
    • Perry Anderson, The Age of EJH, London Review of Books, 3.10.2002.



    Übung: Städtische Politik und Arbeiterkultur in den 1920er und 1930er Jahren. Wien im westeuropäischen Vergleich
    (Historiographie/ Methodik/ Quellenkunde/ Geschichte und Öffentlichkeit)

    Zeit: Do 14-16 Uhr
    Ort: CZ 3, SR 315
    Beginn: 17.04.2006

    Das Wien der Ersten Österreichischen Republik (1918-1938) galt vielen westeuropäischen Zeitgenossen als moderne Stadt mit einer vorbildhaften kommunalen Sozialpolitik. Der von den Sozialdemokraten dominierte Wiener Gemeinderat setzte besonders im Bereich des sozialen Wohnungsbaus innovative Akzente. Darüber hinaus entwickelte sich in Wien eine neue Form der Arbeiterkultur, welche die Grenzen des sozialen Milieus der Arbeiterschaft sprengte und von zahlreichen austromarxistischen Intellektuellen unterstützt wurde. So verwandelte sich Wien zu einem politischen und kulturellen Experimentierfeld. Erst die Mobilisierung des Austrofaschismus und der Bürgerkrieg von 1934 bereiteten dem Experiment ein Ende. In der Übung werden zentrale Problemfelder der Geschichte Wiens in den 1920er und 1930er Jahren diskutiert. Unter ausgewählten Gesichtspunkten werden Vergleiche zum Verhältnis von städtischer Politik und Arbeiterkultur in Berlin, Paris und London angestellt.

    Literatur:

    • Alfred Georg Frei, Rotes Wien: Austromarxismus und Arbeiterkultur, Wien 1984;
    • Anson Rabinbach, Vom Roten Wien zum Bürgerkrieg, Wien 1989;
    • Ernst Hanisch, Der lange Schatten des Staates: österreichische Gesellschaftsgeschichte im 20. Jahrhundert, Wien 1994;
    • Helmut Gruber, Red Vienna. Experiment in Working-Class Culture, 1919-1934, New York 1991;
    • Weihsmann, Helmut: Das rote Wien: Sozialdemokratische Architektur und Kommunlapolitik 1919-1934, Wien 2002;
    • Judith Beniston/ Robert Villain, Culture and Politics in Red Vienna, Leeds 2006.



    Zeitgeschichtliches Kolloquium

    Zeit: Mi 18-20 Uhr
    Ort: Fürstengraben 27, SR 101 (Rosensäle)
    Beginn: Siehe aktuelle Ankündigung.

    Das Zeitgeschichtliche Kolloquium wird von Prof. Dr. Norbert Frei, Prof. Dr. Volkhard Knigge, Prof. Dr. Thomas Kroll, Prof. Dr. Lutz Niethammer und Prof. Dr. Joachim von Puttkamer gemeinsam veranstaltet. Vorgestellt und diskutiert werden vor allem Forschungsentwürfe, laufende Untersuchungen und jüngst abgeschlossene Qualifikationsarbeiten zur Geschichte des 20. Jahrhunderts. Zur regelmäßigen Teilnahme eingeladen und aufgefordert sind insbesondere die Doktoranden, Mitarbeiter und fortgeschrittenen Studierenden der Veranstalter. Willkommen sind alle Angehörigen des Historischen Instituts und der Universität.